Ohrlöcher reinigen gehört zu den Fragen, die mir Kundinnen in meiner Werkstatt in Freital bei Dresden am häufigsten stellen. Kein Wunder – gerade in den ersten Wochen entscheidet die richtige Pflege darüber, ob der Stich schön abheilt oder sich unnötig entzündet. Und auch später, wenn die Ohrläppchen längst verheilt sind, lohnt sich ein regelmäßiger Blick auf Ohrring und Ohrloch.
Warum die Pflege der Ohrlöcher so wichtig ist
Ein Ohrloch ist im Grunde ein kleiner, dauerhaft offener Kanal durch die Haut. Selbst nach der Abheilung sammeln sich dort Hautschüppchen, Talg und Rückstände von Cremes oder Parfüm. Wenn Sie Ihre Ohrlöcher reinigen, beugen Sie nicht nur unangenehmem Geruch vor, sondern auch Rötungen, Juckreiz und kleinen Entzündungen.
Ich sehe in der Werkstatt immer wieder Ohrstecker, die matt und belegt sind – dabei liegt es selten am Schmuck selbst, sondern an fehlender Reinigung. Ein hochwertiger Ohrring aus 925 Silber oder Gold hält ein Leben lang, wenn Sie ihm ein wenig Aufmerksamkeit schenken.
Frisch gestochene Ohrlöcher richtig pflegen
In den ersten sechs bis acht Wochen nach dem Stechen sollten Sie besonders behutsam sein. Meine Empfehlung:
- Zweimal täglich mit einer sterilen Kochsalzlösung reinigen – erhältlich in jeder Apotheke.
- Vor jeder Berührung die Hände gründlich waschen.
- Den Erststecker in den ersten Wochen möglichst nicht drehen, entgegen alter Empfehlungen. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass dies die Wunde eher reizt.
- Auf Alkohol, Wasserstoffperoxid und Wundsalben verzichten – sie trocknen die Haut aus.
- Kein Schwimmbad, keine Sauna, kein Meerwasser in der Heilungsphase.
Wichtig ist auch das Material des Erststeckers. Nickelfreies Titan oder hochwertiges Gold sind die besten Begleiter durch die Heilung. Modeschmuck hat in einem frischen Ohrloch nichts zu suchen.
Verheilte Ohrlöcher regelmäßig reinigen
Auch nach der Abheilung dürfen Sie Ihre Ohrlöcher pflegen. Ich empfehle einmal pro Woche eine kleine Reinigungsroutine:
- Ohrringe herausnehmen und mit warmem Wasser und milder Seife abspülen.
- Ohrläppchen vorsichtig mit einem weichen, mit Seifenwasser angefeuchteten Wattestäbchen säubern – vorne und hinten.
- Mit klarem Wasser nachwischen und trocken tupfen.
- Erst dann die frisch gereinigten Ohrstecker wieder einsetzen.
Wer empfindliche Haut hat, kann zusätzlich ein Tröpfchen Jojoba- oder Mandelöl auf die Ohrläppchen geben. Das hält die Haut geschmeidig und beugt kleinen Krusten am Verschluss vor.
Silberohrringe pflegen – ein eigenes Kapitel
Silber läuft mit der Zeit an, das ist ganz natürlich. Für meine handgefertigten Ohrstecker aus 925 Silber empfehle ich ein weiches Poliertuch, das Sie in der Schublade neben dem Schmuckkästchen aufbewahren. Ein paar Sekunden Reiben genügt, und der Glanz ist zurück.
Silberbäder und aggressive Tauchlösungen benutze ich in der Werkstatt nur in Ausnahmefällen. Für zuhause sind sie zu scharf – gerade bei Ohrringen mit Perlen, Emaille oder Steinen können sie mehr schaden als nützen.
Wann Sie besser zur Ärztin gehen
Wenn Ihr Ohrloch rot bleibt, pocht, nässt oder ein kleiner Knubbel entsteht, sollten Sie nicht länger selbst experimentieren. In solchen Fällen ist ein Hautarzt die richtige Adresse. Auch ich als Goldschmiedin schaue mir gern an, ob vielleicht der Verschluss zu eng sitzt oder das Material nicht verträglich ist – oft lässt sich das mit einem Wechsel auf einen anderen Stecker schnell lösen.
Kleine Routine, langer Genuss
Ohrlöcher reinigen dauert keine fünf Minuten pro Woche. Und diese fünf Minuten sind gut investiert: Sie tragen Ihre Lieblingsohrringe beschwerdefrei, Ihr Schmuck bleibt glänzend, und die Ohrläppchen bleiben gesund. Für mich als Goldschmiedin ist Pflege genauso Teil des Handwerks wie das Feilen und Löten – denn ein Schmuckstück soll Sie ein Leben lang begleiten.